Zeitungen sind ja auch irgendwie Autos…

JJK… das dachte ich mir während des kurzweiligen Vortrags von Andreas Baier von Porsche Consulting auf unserem diesjährigen Medienforum. Wie Porsche in den 90ern den Turnaround aus der Krise zu einem der profitabelsten Automobilunternehmen geschafft hat, war für mich unglaublich spannend und inspirierend. Oberstes Ziel war dabei immer: Verschwendung in jedweder Form vermeiden!

Die konsequente Ausrichtung auf Effizienz aber auch die ehrliche Selbstreflexion brachte Porsche wieder „ins Rennen“. Als Hersteller von Rennwagen (mit Straßenzulassung 🙂 ) sprach Porsche nicht den durchschnittlichen Otto Normalverbraucher an. Man fragte sich daher, was die Käufer der Porsche-Sportwagen sonst noch in ihrer Garage stehen hatten? Die Antwort ergab eine Kundenumfrage: Einen SUV – Sport Utility Vehicle. Zudem waren die meisten Kunden verheiratet, hatten Frau und Kinder: Für diese Zielgruppe waren die zweisitzigen Sportwagen wenig praktisch. Dies führte zu der Etablierung einer neue Produktsparte im Unternehmen: Der Porsche Cayenne war geboren. Nicht ohne Risiko, doch mit Erfolg – was die Absatzzahlen nachhaltig belegen.

Weiter denken und auch über den Tellerrand hinausschauen – das hat Porsche mit seiner Kundenumfrage gemacht und sich darauf eingestellt. Auch Verlage können das und haben es sogar teilweise schon umgesetzt. Mit der Ergänzung des Angebotes um Dienstleistungen, wie den Ticketverkauf, Leserreisen, Rabatt- und Bonuskarten oder neuen journalistischen Formaten.

Die Fuldaer Zeitung beispielsweise hat die jungen Leser für sich entdeckt und aus der Zeitungsbeilage „Schlaufuchs“ ein eigenes Magazin entwickelt. Vier Mal im Jahr erscheint das neue Format für Kinder von fünf bis zehn Jahren. Neben spannenden Geschichten über die Natur vor der Haustür, über die Tier- und Pflanzenwelt, über Brauchtum und Sagen der Region, werden auch traditionsreiche Berufe oder außergewöhnliche Hobbys kindgerecht vorgestellt. Ein weiteres Beispiel ist der „Nordkurier“ aus Neubrandenburg: Vier Jahre kooperierte der Verlag beim Mantelteil mit der „Schweriner Volkszeitung“. Eine Leserbefragung brachte im vergangenen Jahr die Erkenntnis, wieder einen eigenen Mantelteil zu produzieren. Auf Leserwunsch wurde der Fokus stärker auf die Region gesetzt, denn das war es, was die Zeitungskäufer wirklich lesen wollten.

Nun sind Zeitungen keine Autos, aber sicher stimmen Sie mir zu, wenn ich sage, dass auch in Verlagshäusern Kundenwünsche berücksichtigt und Abläufe bzw. Prozesse optimiert werden können. Mit Wertstromanalysen lassen sich ähnlich wie bei Porsche die Prozesse aufzeigen, die verschwenderisch sind, die eingespart werden können und bei denen Kapazitäten der Mitarbeiter frei werden, die für andere Tätigkeiten sinnvoll genutzt werden können. Nur effiziente Prozesse – ob bei der Autoproduktion oder im Verlagswesen – führen zu optimalen Betriebsabläufen und zu wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen.

Mark Jopp

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