Zukunftsszenarien aus den eigenen Reihen –
Wie Wirtschaftsredakteure die Zeitungskrise sehen

WochenzeitungenIn einem Artikel der FAZ haben Patrick Bernau, Rainer Hank und Winand von Petersdorff (alle drei Wirtschaftsredakteure) neulich die Zukunft der Zeitungen kritisch beleuchtet. Zwar fiel es ihnen (auch nach eigenen Aussagen) als „Kindern der Branche“ sichtlich schwer, einen objektiven Artikel zu schreiben, aber das, was letztendlich dabei herauskam, gefiel mir gut.

Neue Erkenntnisse in Bezug auf die Ursachen gab es nicht, jedoch war ich erstaunt, dass die drei die Zenitüberschreitung der Zeitung bereits in den Jahren 1982/83 datieren. Damals habe die Entwicklung bereits begonnen und seither haben sich die Auflagen aller Zeitungen insgesamt fast halbiert (von 30 Mio. auf 17 Mio. Exemplare).

Ursachen hierfür werden heute zum einen in den steigenden Kosten gesehen – Zeitung lesen wird immer teurer im Vergleich zu den meist kostenlosen Infos im Netz. Zudem kann im Internet viel schneller reagiert werden, wodurch die Aktualität der Beiträge und der News unschlagbar ist. Man kann hier beinahe schon von Informationen in Echtzeit reden.

Jedoch sollte man diese Entwicklung auch kritisch betrachten. Mit dem Web 2.0 wurde nicht nur der Meinungsfreiheit eine viel größere Bühne geboten, sondern auch der „Bürgerjournalismus“ geschaffen. Prinzipiell eine gute Sache, aber wenn die Qualität von Beiträgen darunter leidet, weil Hintergründe unzureichend recherchiert wurden oder mit unzuverlässigen Quellen gearbeitet wird, ist das schlecht für die Leser.

Der Artikel bietet zwei Zukunftsvisionen:

a) „Es wird böse enden. Die Finanzierungsbasis der klassischen Zeitungen erodiert. Ein großes Zeitungssterben setzt ein“ oder b) Es wird doch noch alles gut. Eine neue Pressevielfalt entsteht“.

Ich denke nicht, dass man an dieser Stelle schwarz-weiß malen kann. Jeder Verlag kann seine Zukunft selbst gestalten und muss den für sich am besten geeigneten Weg finden, effizient zu arbeiten und darf dabei die Leser und deren Bedürfnisse nicht aus den Augen verlieren. Dazu habe ich bereits viele gute Beispiele beschrieben, die gezeigt haben, dass auch neue Methoden funktionieren können. Das fängt bei den Kommunikationskanälen an (Bereitschaft zu Social Media usw.), geht über die intuitive Bedienung der eigenen Homepage (ein digitales Abo abzuschließen sollte unkompliziert und einfach zu schaffen sein) und hört beim Namen auf. Beispielsweise hat sich die Zeitungsgruppe Thüringen in Mediengruppe Thüringen umbenannt, geht so mit der Zeit und signalisiert den Willen, die Leser auch auf anderen Wegen zu erreichen, als nur mit Papier und Druckerschwärze.

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