Ein Jahr Huffington Post in Deutschland

Huffington Post Deutschland„Wir wollen die Startseite für die digitale Generation werden“. Kurz zusammengefasst ist genau das das Ziel der Huffington Post. National und international setzen Chefredakteure und Herausgebender viel daran, dieses Ziel zu erreichen.

Am 10.10. ist die deutsche Ausgabe der „HuffPo“ ein Jahr „alt“ geworden und hat Bilanz gezogen. Nun mag man von diesem Nachrichtendienst halten, was man möchte. Auch ich habe mich zum Start vor einem Jahr nicht euphorisch darüber geäußert, aber eins haben sie verstanden: Sie geben ihren Lesern das, was sie wollen; und vor allem, wie sie es wollen. Ein Drittel aller Leser kommt nach eigenen Angaben über die sozialen Netzwerke auf die Homepage. Daraufhin wurde gehandelt und neben dem „üblichen“ Front Page Editor, der für die Schlagzeilen auf den ersten Blick zuständig ist, ein Stellen-Pendant für die sozialen Medien geschaffen und bereits besetzt. Das finde ich gut.

Die Huffington Post arbeitet mit 15 festangestellte Journalisten und 1360 Bloggern und Gastautoren, darunter Mütter, Großväter, Ärzte, Gründer, Minister, Schauspieler und sogar Bundestagsabgeordnete. So ist man der Ansicht, jedes Thema ohne Probleme bearbeiten zu können. Außerdem wird bei besonders aktuellen Nachrichten auf ein Netzwerk von 800 freien Mitarbeitern rund um die Welt gesetzt, bei denen man sich im Vorfeld erkundigt, wie genau die Nachrichten aufgefasst werden und im Nachgang den Kommunikationsprozess im eigenen Land abstimmt. Dennoch darf man an dieser Stelle nicht vergessen, dass Blogger und Gastautoren lediglich mit der Referenz „veröffentlicht bei „Huffington Post“ entlohnt werden. Bezahlt werden über die „Native Advertising“-Einnahmen nur die 15 Journalisten.

Chefredakteur Matthes und Herausgeber Jobatey sehen sich jedenfalls als „Deutschlands größte Talkshow“ und streben es an, 2015 unter die Top 10 der deutschen Nachrichtenportale und 2016 sogar unter die TOP 5 zu gelangen. Zum Vergleich: Aktuell belegt das Handelsblatt Platz 10. Um das zu erreichen, wäre eine Verdopplung, besser noch eine Verdreifachung aller Zahlen (Aufrufe, Unique Visits uvm.) unerlässlich.

Ich denke, dass die HuffPo mit ihrer Einstellung, sich immer wieder nach den Bedürfnissen der Leser neu zu erfinden, richtig liegt, da nur so ein Verlag und sein „Produkt“ überleben kann. In dieser Hinsicht können sich viele Verlage ein Beispiel nehmen. Jedoch bin ich auch der Überzeugung, dass dies alles ohne die Bereitschaft der vielen kostenlosen Blogger und Gastautoren nicht möglich wäre. Es bleibt daher die Frage, ob man bereit ist, für guten Journalismus einen moralisch vertretbaren und anständigen Preis zu zahlen, von dem Journalisten leben können.

Grundsätzlich besteht für mich immer noch die Frage nach der Qualität der Beiträge und ob sie sich wirklich mit dem hochwertigen Journalismus beispielsweise einer WELT vergleichen lassen. Ich bin jedenfalls gespannt, ob die HuffPo ihre Ziele in den kommenden Monaten erreichen wird und beobachte für Sie die Entwicklung auch weiterhin.

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