Mei, wie schaugt’s denn do aus? – Exkursion in die Verlagsbranche unserer Nachbarn im Süden

Verlage in Österreich und SchweizDie Digitalisierung ist kein regionales Phänomen, sondern ist natürlich weltweit zu verzeichnen und macht auch vor unseren Nachbarn keinen Halt. Bisher habe ich über die aktuelle Lage in Deutschland berichtet, aber wir sollten auch einen Blick über die Landesgrenzen hinaus wagen, und was liegt da näher als unsere deutschsprachigen Nachbarn?

Eine jährliche Medienanalyse der Österreichischen Tageszeitungen zeigt, dass die gedruckten Blätter keineswegs an Beliebtheit und Abnehmern verlieren und verhältnismäßig stabile Zahlen vorlegen können bzw. teilweise leicht gestiegene Quoten aufweisen. Laut Studie griffen rund 5,2 Millionen Österreicherinnen und Österreicher von Mitte 2012 bis Mitte 2013 zu Printprodukten. Die Gesamtreichweite der österreichischen Tageszeitungen entwickelt sich stabil, auch wenn die Reichweite des Internets zulegte.

Hier habe ich Ihnen einen kleinen Überblick über die erfolgreichsten Exemplare zusammengestellt (Prozentzahlen beziehen sich auf die nationale Reichweite):

Kronen ZeitungKleine ZeitungKURIER
201336,2%
(2.616.000 Leser)
11,3%
(817.000 Leser)
8,3%
(602.000 Leser)
201238,2%
(2.742.00 Leser)
11,5%
(822.000 Leser)
8,0%
(574.000 Leser)

 

Auf den weiteren Rängen liegen „Der Standard“ mit 5,3 Prozent Reichweite, die OÖNachrichten mit 4,8 Prozent und noch mehr gern gelesene Tageszeitungen. Die Media-Analyse beinhaltet auch die Bewertung und das Ranking von kostenlosen Blättern – hier können Sie sich die Ergebnisse der Auswertung gerne selbst ansehen.

 

Schweizer Zeitungen

Ein anderes Thema, das aber mehr oder weniger mit dem Erfolg von Tageszeitungen Hand in Hand geht, ist das Anzeigengeschäft. Eine Vergleich von Auflagenzahlen zahlreicher Schweizer Tageszeitungen zeigt, dass hier seit 2008 deutliche Verluste eingefahren wurden. Aus diesem Grund sieht Geschäftsführer der Publigroupe, Arndt C. Groth auch die kommenden Monate für Tageszeitungen und das einhergehende Anzeigengeschäft eher düster. In einem Interview mit der „Handelszeitung“ erklärte er, dass der Werbemarkt für Tageszeitungen bereits die ersten sieben Monate des Jahres 2013 um ganze 11 Prozent geschrumpft sei und prognostiziert auch für 2014 einen ähnlich großen Verlust in diesem Bereich. Lediglich für lokale und regionale Zeitungen schätzt er die Zukunft noch optimistischer ein, da sich diese dem digitalen Wandel seiner Ansicht nach noch größtenteils entziehen.

Auch die Publigroupe selbst spürt den Medienwandel schmerzlich. Im ersten Halbjahr 2013 musste die Gruppe einen Verlust von 9,5 Millionen Franken bekannt geben. Besonders Publicitas, die bis dahin vorwiegend im Anzeigengeschäft der Verlagshäuser tätig war, kam unter Druck. Im Konzernbereich „Media Sales“ baut die Publigroupe bis zum 1. Quartal 2014 weitere 245 Arbeitsplätze ab.

Die Betrachtung zeigt mir, dass es tatsächlich Vieles zu tun gibt und auch wenn die Tageszeitungen nicht überall so viel an Popularität verlieren, so müssen doch Wege gefunden werden, wie man sie dem Zeitgeist entsprechend modernisieren und für den Leser attraktiver machen kann. Diese Wege zu finden, ist Aufgabe der Journalisten, Verleger und Herausgeber; diese Wege finanzierbar zu machen ist Aufgabe von Unternehmen wie JJK.

Mark Jopp

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