Wer suchet, der findet…

JJK…beschreibt so ziemlich genau das, wofür man Google nutzt. Frage? Google! Antwort! Heute sucht man die Antworten auf seine Fragen immer seltener im Lexikon oder im eigenen Gedächtnis, sondern wirft die Internet-Suchmaschinen an – Wir googlen: Das geht schnell, einfach und ist zudem noch unwahrscheinlich bequem… und kostenlos.

Die Verwertungsgesellschaft VG Media, an der zwölf Verlage beteiligt sind, ist der Auffassung, dass der Suchmaschinenkonzern seine Vormachtstellung im Internet missbraucht. Aus diesem Grund haben sich zahlreiche Verlage in den vergangenen Jahren dafür starkgemacht, Regeln und Gesetze anzustoßen, mit denen sich Google zur Kasse bitten lässt. Wenn Google also Presseartikel in seinen News darstellt, soll nach Leistungsschutzrecht eine Lizenzgebühr fällig werden. Einziger Haken: Suchmaschinen dürfen „einzelne Wörter und kleinste Textausschnitte“ lizenzfrei verwenden. Google braucht demnach für die Darstellung sogenannter Snippets nicht zu zahlen. Das ist für die Verwertungsgesellschaft VG Media nicht annehmbar, weshalb sie den zivilrechtlichen Weg wählt, um ihr Ziel zu erreichen.

Viele Verlage haben Angst vor Google, weil die Suchmaschine schlichtweg alternativlos erscheint. Zumindest wenn es nach Springer-Chef Döpfner geht. Seine Kooperation mit Google in der Onlinevermarktung begründet er mit eben diesem Argument. Dem gegenüber steht Funke-Manager Harald Wahls, der mit der Braunschweiger Zeitung eben doch einen anderen Weg geht und dabei auf eine Kooperation mit Google News „dem parasitären System, das von Leistung und Kreativität anderer lebt“ verzichtet. In der Gesamt-Funke-Strategie durfte die Braunschweiger Zeitung das Experiment wagen und Google News abschalten. Parallel dazu wurde eine Marketing-Kampagne gestartet, welche Radiosender, Anzeigenblätter und die eigene Zeitung mit einbezog und Werbung über diese Wege schaltete. Damit seien die Visits um 27 Prozent und die Page Impressions um 74 Prozent gestiegen. „Wir brauchen Google News nicht!“ – so Wahls Fazit zum Experiment.

Meiner Ansicht nach liegt Wahls vollkommen richtig. „Google-unabhängig“ zu sein erhöht das Selbstbewusstsein der Branche ungemein und bringt Verlage dazu, sich mehr Gedanken über ihr tägliches Geschäft und ihren Leserkreis zu machen. Zeitungen sind in ihrer Vielfalt kaum zu ersetzen. Ganz besonders gilt dies für Regionalzeitungen. Diese Einzigartigkeit sollten Verlage für sich nutzen und nicht zugunsten vereinheitlichter Informations-Massenware aus der Hand geben.

Mark Jopp

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