Krautreporter – überzogener Idealismus oder „taz 2.0“?

JJKWir haben ein neues Pflänzchen im Journalistendschungel: Die Krautreporter.

Mit 113 Prozent haben die Krautreporter an einem Freitag, den 13. (Juni) ihre Finanzierungsphase beendet. Für die Reporter, die sich nach dem modernen Konzept des Crowdfundings finanzieren, wohl eher ein absoluter Glücks- statt Unglückstag. Doch vielleicht auch symbolisch für ihr Bestehen zu deuten? Jedenfalls gab es kurz vor Ende der Funding-Aktion noch einmal prominente Unterstützung seitens der Rudolf-Augstein-Stiftung. Wie die Krautreporter via Twitter (#Krautreporter) selbst verkündet haben, gab es hier 1.000 Mitgliedschaften, die das „Projekt“ Krautreporter einen weiteren Schritt in Richtung Erfolg gebracht haben. Ich persönlich haben wegen der Höhe der Einlage keine Bedenken, da ich der Meinung bin, dass hier lediglich einem neuen Geschäftsmodell auf die Sprünge geholfen werden sollte. Einen direkten Bezug zur Spiegel-Redaktion und damit eine mögliche Gefahr der Beeinflussung sehe ich nicht.

Im Prinzip finde ich die Idee sehr gut: Es geht schon um Überzeugungen, nicht um Klicks oder möglichst viel Profit. „Wir schreiben Geschichte selbst, statt ab“ haben sich die „Volksreporter“ auf die Fahnen geschrieben. Mit der Unterstützung bekannter Gesichter wie u.a. Stefan Niggemeier (Herausgeber des Watchblogs Bildblog) können die Krautreporter schon ein gutes Know-how in Sachen professionellen Journalismus vorweisen. Dass ein solches Modell funktionieren kann, habe ich schon einmal in einem Beitrag vom Juli 2013 gezeigt. Es handelt sich hierbei um mediapart aus Frankreich, die sich ohne die finanzielle Unterstützung von Anzeigenkunden und nur durch guten Journalismus mehr als beweisen konnten. Aber wie der BDVZ vor kurzem erst in einer offiziellen Pressemitteilung verkündete: Die Zeitung ist das Leitmedium der Deutschen. Daher bleibt für mich die Frage, ob sich dieses Modell einer reinen Onlinezeitung durchsetzen wird. Am Ende ist es mit einem Abonnement vergleichbar, das in Form einer Mitgliedschaft fünf Euro im Monat kostet. Sicherlich ist alles Neue erst einmal interessant, aber die Zeit wird zeigen, ob es sich hierbei um den qualitativ hochwertigen Onlinejournalismus 2.0 handelt oder eben nicht.

Fest steht: Krautreporter wird ein Onlineprojekt von Mehreren und eines der medienwirksamsten sein. Ich denke, dass wir in den nächsten Jahren noch Einiges davon hören werden. Ich wünsche den 17.504 Mitgliedern und den 28 Reportern viel Erfolg und Glück für die Zukunft.

Mark Jopp

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